Weinbau im alten Hemsbach

Weinbaubegriffe in Hemsbescher Sprooch

Zusammengetragen von Gerhard Röhner

Der Weinstock wird auch einfach Schdock genannt, wenn er ausgehauen wurde, ist es ein Woiknorze. Seine Augen sind die Aare die daraus wachsenden Triebe die Triewe oder Rude. Mit den Schlingen hält sich die Rebe fest. Aus dem Geschein wird bis zum Herbst die Trauwe, die sich zusammensetzt aus dem Rappe und den Beeren. Trauben, die selbst bis zum Herbst noch nicht reif sind, sind Nochgeblühde oder Madestrauwe. Jungferntrauben sind Erschtlingstrauwe. Ein verwahrloster Wingert ist ein Drecksstück oder ein Wuschtfeld. Früher wurden die Wingerte (= Weinberge) als Kammertwingert angelegt. Die Rebstöcke wuchsen an Rahmen, die aus senkrecht stehenden Wingertsstiffel und den sie verbindenden Trurern bestanden. Die Kammerwingerte wurden durch Wingerte in Spaliererziehung mit Drahtramen abgelöst. Die Reihen im Wingert (Weinberg) sind die Zeile, die Reihe außen an der Seite ist die Newezeil. Früher hat man an der Stirnseite eines Wingerts eine Rebzeile gesetzt. Sie brachte einen besseren Ertrag, da sie besonders gut der Sonne ausgesetzt war. Ein einzelner schlechter Stock wird Faulenzer genannt, er bringt zwar gutes Laub, aber kaum Trauben. Ein vergraster Wingert sorgte damals für den Spitznamen seines Besitzers: Queckekönig (Früher wurden die Rebzeilen vegetationsfrei gehalten, heute sind grüne Rebzeilen die Regel). Hat ein Wingert ein bestimmtes Alter erreicht, wird er gerodet. Die Setzreben unterschieden sich früher von den heutigen. Es waren unveredelte Blindreben, Blindhölzer ohne Wurzeln, die mit dem Gaaßefuß in den vorbereiteten Boden gesteckt wurden. Dies war die einfachste Methode. Eine Lücke in einem sonst guten Wingert glich man aus, indem man von einem Mutterstock aus einen Enlejer (Einleger) machte (heute verboten wegen Gefahr der Verbreitung der Reblaus!). Etwa seit der Jahrhundertwende kennt man an der Bergstraße die heute üblichen Drahtanlagen, vorher waren nur Poolwingert (Pfahlwingert) üblich mit Peel oder Schtiggl aus gerissenem Ahadeholz (Robinie) oder Donneholz (Nadelbaumholz), die mit der Hoop (Häpe) oder dem Beil angespitzt wurden. Das Ausbessern hieß stickle mit dem Pooleise oder dem Zuschlaghommer.
Mit dem Schneiden der Reben beginnt man heute im Januar, früher um Maria-Lichtmess (2. Februar). Diese Arbeit war zumeist den Männern vorbehalten. Geschnitten wird auf Stämmcher (Stämmchen), Knot (Knoten), Schenkel und hauptsächlich auf Bogrewe (Bogrebe). War mit Frost zu rechnen, lies man eine zusätzliche Rute, die Froschdrude am Stock. Das geschnittene Holz wurde zu Rewewelle gerafft, mit Weideruten (vom Weideputschen geschnitten), gebunden, die zu Hause verfeuert wurden, oft im Worschd– (Wurst-) oder Wäschekessel. Wenn an der Schnittstelle Saft austritt, sagt man: die Rewe bludet. Das Gerte und Bige (Gerten und Biegen) heißt auch Biegel mache. Es war teils auch Frauenarbeit im Frühjahr.

Weideputschen
Weideputschen (Hirschberg-Leutershausen, 19.1.2019)

Ogebunne wird heute mit Winzerdrohd (Drähtchen), früher mit Biegweide (Weidenruten), die man im Winter an Weideputschen, die an Bächen wuchsen, selbst geschnitten hat. Da am Stock nicht nur erwünschte Triebe wachsen, muss ausgebroche wern. Das folgende Hefde war reine Frauenarbeit. Sommerarbeiten stellten das Labschneide und das Gibble dar mit der Rebscheer.

Vielfältig sind die Bodenarbeiten, die der Winzer durchführen muss: hacke, grawe und riarn (rühren) mit dem Karschd (=Karst)der Roadhack (Rauthaue) und mit der Kratz, zakkern mit dem Plug (Pflug). Mist wurde mit der Käitz getragen.

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Schwerer Karst (Der Winzerkurier 04-2014)

Nach der Lese wurde zugezorre. Alte Bezeichnungen für Krankheiten oder Schädlinge im Wingert sind Äscherisch (=Äscherich), Rebsticheler (Rebenstichler) und Sauerworm (Sauerwurm).Vor der Weinlese waren die Wingerte abgesperrt. Der Beginn der Weinlese wurde ausgeschellt. Die Lese hieß der Herbschde, die Helfer bei dieser Arbeit waren die Leser. Zum Lesen dient heute die Rebscheer, früher auch die Hipp oder Hoop (Hippe, siehe unten). Jeder hatte sein Lieblingswerkzeug. Gelesen wurde in Omer, die, wenn aus Eisen gefertigt, innen mit Kelterlack gestrichen waren. Volle Eimer wurden in die Bitt oder Bütt geleert, die aus Blech, ganz früher aus Holz gefertigt war. Wenn die Bitt bereits voll war, aber noch Eimer geleert werden mussten, hat der Träger e bißel zommegerittelt damit die Trauben zusammenrutschten. Das, was beim Lesen an den Stöcken hängenblieb, haben später die Leser oder Kinder gestoppelt. Die Trauben wurden aus der Bitt unzerkleinert in einen hölzernen Zuwer (Zuber) geschüttet, der auf dem Erntewagen stand.

Bindung mit Biegweide
Bindung mit Biegweide (Schriesheim, Kuhberg, 22.3.2015)

Das Mahlen der Trauben erfolgte manchmal am Wingert mit der Miel, die von Hand gedreht wurde und auf dem Zuwer stand. Vom Zuwer wurde die Maische ins Ladefaß umgeladen und darin heimgefahren. Die Maische schüttete man mit Eimern auf die Kelter.
Ein Veschbea (Vesper) von der Bauersfrau hergerichtet war der dankbare Abschluss für alle Herbsthelfer. Bei gutem Wetter saß man hierzu in fröhlicher Runde noch im Wingert zusammen.
Es gab verschiedene Keltertypen wie die Dockekelter mit dem Dummelbaom (Tummelbaum). In Hemsbach waren Spindelkeltern verbreitet, bestehend aus Becken, zweiteiligem Bresskorb und Bresshelzern. Der Most floss aus der Kelter in den Kelterzuwer. Durchs zommegergle wurden die letschde Drobbe aus der Kelter gepresst: „Gergels net so arg zomme, sunscht wird der Woi zu sauer“ bremste der Winzer.

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Lesefass und Butte aus Holz (Der Winzerkurier 04-2014)

Im Kelterkorb blieben der Treschder zurück, auch Kuche genannt, den man mit dem Beil oder der Treschdergawel (Trestergabel) zerkleinerte. Man stellte aus dem eingeweichten uffgeriwwelte Trester Flubbes her, auch Haustrunk, Treschterwoi (Tresterwein) oder Knechtswoi genannt. Dann fuhr man den Trester zur Bodenlockerung aufs Feld.
Der Most im Fass gährt oder protzelt. Der Federweiße heißt der Naije. Der Wein wird von der Hefe abgestoche.
Die Fässer für Wein sind aus Eichenholz gefertigt, sie bestehen aus Faßdauwe, abgedichtet wurden sie mit Liesch (Lieschtgras). Transportfässer hatten einen besonderen Rollraaf. Der fertige Wein wurde im Woihäffel (Haffe = Topf, Häffel = kleiner Topf) auf den Tisch gebracht.
Vom Wein beflügelt wird der Mundartsprecher kreativ, wenn es darum geht, die Folgen übermäßigen Weingenusses zu beschreiben. An der Bergstraße wird kaum einer einfach betrunken, es wird differenziert. Entweder mer genehmischt sich ooner oder mer trinkt glei en Halwe. Bei uns wird oaner gschlutzert, gsüffelt oder ooner werd hinner die Binn gegosse. Er is dann benewelt oder belzig, oofach zuu oder er hott zu dief ins Glas geguckt. Der oone hot ooner sitze, der onnner is voll wie e Haubitz oder hot Hawer.

Quellen:
https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/texte/aufsaetze/kleiber-bingenheimer-steffens-weinbau-sprachgeschichte-mittelrhein-oberrhein-wortatlas.html
Heinz Schmitt: Weinheimer Wortschatz, 5. verb. und erweiterte Auflage Ed. Diesbach, 2009
Günter Rühle, Der Winzerkurier, Ausgabe 04-201

Herzlicher Dank für die Beratung geht an:
Hilde Dugimont, Hemsbach
Volker Eberle, Hemsbach
Hermann Hilkert, (Weinheim-) Sulzbach
Reinhard Schüßler, (Weinheim-) Sulzbach


Die Winzerhippe – ein Rebmesser mit gebogener Klinge

Gerhard Röhner

In einer  schon lange aufgegebenen, verfallenen Weinbergshütte am Hemsbacher Alteberg fand sich ein altes Werkzeug:

Es handelt sich um eine Winzerhippe, ein historisches Winzermesser.

Eine Hippe (auch Hipp oder Hoop in Hemsbach, anderswo auch Heppe, Häbe, Knipp, Säsle, Rebmesser, Sesel, Sächsel oder Gertel genannt) ist ein Werkzeug, das je nach Größe und Ausführung zu unterschiedlichen Arbeiten in der Land- und Waldwirtschaft, im Wein- und im Gartenbau verwendet wird. Typisch ist die sichelähnlich geschwungene Klinge mit einer mehr oder weniger nach unten gebogenen Spitze mit einer Schneide aus geschmiedetem Stahl an der Innenseite und einem festen Holzgriff, der gut in der Hand liegen muss. Unter Beibehaltung dieser Grundform haben sich je nach Region und Verwendungsart im Laufe der Jahrhunderte die unterschiedlichsten Varianten entwickelt. Sichelförmige Messer sind bereits für die Bronzezeit nachgewiesen. Die Etrusker, die schon Wein angebaut haben, kannten dieses Werkzeug. Die keltischen Druiden haben zu kultischen Zwecken mit Sichelmessern Mistelzweige aus den Bäumen geschnitten. In vielen Ländern Europas sind sie seit der Römerzeit bekannt und teilweise, etwa in der Waldwirtschaft und im Gartenbau, bis heute gebräuchlich.

Grundsätzlich wurden größere und stärker gebogene Messer für schwerere Arbeiten, kleinere und manchmal nur leicht gebogene Messer für leichtere Arbeiten verwendet.

Größere Haumesser werden zum Abschlagen von Zweigen und Ästen, Beseitigen von Gestrüpp oder zur Herstellung von Reisigbündeln oder Grobholzwaren verwendet.

Im Unterschied zu den haumesserartigen größeren Laubhippen haben die kleineren Rebmesser eine Klinge mit einer Länge von nur 5 bis 15 cm und werden überwiegend zum ziehenden Schnitt eingesetzt, das heißt, der Benutzer zieht das Messer beim Schnitt zu sich hin. Seltener wird mit dem Rebmesser auch durch Drücken geschnitten, jedoch nie gehackt.

Historische Winzerhippen

Wertvollere Rebmesser hatten einen oft gedrechselten Griff aus besonderem Material, etwa aus Horn oder aus gelbem Holz des Buchsbaums. Griff wie Klinge waren gelegentlich verziert und die Winzer trugen das Messer mit Stolz.

Winzer benutzten das Rebmesser zum Beschneiden der Weinstöcke und zum Ausschneiden der Weinbeeren sowie bei der Lese. Klar war aber, dass es zu einem guten Winzer gehörte, eine Hippe im Hosensack bei sich zu haben. Schließlich gab und gibt es Winzermesser auch als klappbares Taschenmesser.

Kennzeichnung. „UNHOLZ“

Die gefundene Hippe hat auf der Klinge die (Firmen-?) Bezeichnung „UNHOLZ“ eingeschlagen. Der Stiel ist aus hartem Holz gedrechselt und weist zwei Rillen auf.

Die größte Verbreitung hatte die Winzerhippe zwischen etwa 1650 und 1850. Zumindest im Weinbau wird es seit der Einführung der Rebschere (um 1950 je nach Region) praktisch nicht mehr verwendet. Heute werden im Erwerbsweinbau pneumatische oder elektrische Akku-Rebschneider verwendet.

Die kulturhistorische Bedeutung von Winzerhippen wird noch heute durch zahlreiche Gemeindewappen mit Rebmessern belegt.

Laudenbacher Gemeindewappen

Ein schönes Beispiel hierfür ist das Laudenbacher Gemeidewappen. Das Wappenschild wird bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1539 auf einem Siegel abgebildet (Hessisches Staatsarchiv in Darmstadt). Die Gemeinde Laudenbach ist somit schon sehr früh als Ort des Weinbaus bekannt.

Quelle:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hippe_%28Werkzeug%29)